Sonntag, 28. Februar 2016

Ich kann nicht mehr.

Wenn man diesen Satz so vor sich herträgt, ausspricht und ihm einen Ton verleiht, ist es oft eigentlich schon zu spät. Weil man das Kraftkonto derbe überzogen hat und eigentlich nur noch funktioniert. Eigentlich ist es an der Zeit laut "Stopp" zu schreien.

Und auch wenn das Fräulein Trulla derzeit ein bisschen die Zicke gibt, oder zu geben versucht, ich kann noch.

Was daran liegt, dass ich sehr auf meine Kraft achte.




Es gab auch Zeiten, in denen ich diesen Satz wirklich von mir gab. Weil ich wirklich am Ende war. Zermatscht von tausend Anliegen, noch mehr Wünschen oder Aufträgen und Dingen, die man mir antrug.

Ich konnte lange weder "Nein" sagen, noch hatte ich den Dreh raus, mit meiner Kraft zu haushalten. Das habe ich in den letzten Jahren gelernt.

In den letzten beiden Wochen war ich sehr darauf bedacht zu haushalten, weil viel los war. Grund dafür, dass ich auch hier schweigsam wurde.
Es hat sich ein bisschen angekündigt und mir war klar, wenn ich nicht aufpasse, dann kriegt mich das Fräulein Trulla am Wickel und gerade wenns zu viel wird, schnappt sie mich. Hat sie aber nicht.

Sie hat mir einen Flush beschert, oder wie der englische MS Mensch sagt, einen MS Hug. Nicht nett. Es drückt einem die Luft ab und der Brustkorb fühlt sich an, als wäre man in einem Schraubstock eingeklemmt, es wird heißt, kalt, man hat Schmerzen und verfällt, so wie ich, erst einmal deftig in Panik. Hat sich aber geklärt, ich habe mir Hilfe gesucht und mich informiert und weiß jetzt, dass das mit der Panik eine schlechte Idee war und habe ein Notfallmedikament bekommen, das in solchen Fällen schnell hilft.

Was ich aber sagen möchte ist: Wenn man MS hat, darf man sich nicht von allen anderen Menschen immer alles aufs Auge drücken lassen. Sobald man in den "Ich funktioniere halt noch" Modus gerät, wird die Sache ernst. Es ist wichtig, mit der eigenen Kraft gut umzugehen und auf sich selbst zu achten. Fürsorge für sich selbst zu betreiben und sich auch zurück zu ziehen, wenn es eben nötig ist, eine Pause zu machen, sich zu erholen und das zu tun, was gut tut. Vielleicht ist das auch der Zeitpunkt, selbst um Unterstützung zu bitten. Auch nicht so einfach, ich weiß, aber ab und an nötig.

Wenn ich eines gelernt habe, dann, dass man nicht die ganze Welt wuppen kann. Das muss die schon alleine. Was man wuppen muss, ist das eigene Leben und das soll nicht zuviel werden. Zu sagen, dass man nicht mehr kann, ist roter Alarm. Und wenn ich eines gelernt habe, schon vor vielen Jahren, dass dieser rote Alarm einer ist, den man ernst nehmen muss.

Mit der Zeit hatte ich den Dreh heraus und ich bin im Moment schon in der Bremsphase. Ich habe gelernt, die Zeichen zu deuten, mein Körper sagt mir tatsächlich, wenn er eine Pause für nötig hält. Ich bekomme Herpes, bin mehr müde, nicht so belastbar, bin langsamer und giere nach frischer Luft und gesundem Essen.

Die schwierigste Phase der letzten beiden Wochen ist vorbei und ab nächster Woche wird das Tempo erheblich gedrosselt. Einfach, weil ich merke, dass ich eine Pause brauche und sie auch möchte. Dass deshalb mein Leben nicht weniger spannend sein wird oder dass ich weniger schaffe, wird gar nicht der Fall sein. Im Gegenteil. Wenn ich zur Ruhe komme, sehe ich mehr, bin bewusster und schaffe am Ende auch mehr, weil ich in mir selbst ruhe.

Findet man also seine innere Mitte, verschafft sich einen Moment der Ruhe und wird sich klar darüber, was gerade wichtig ist, setzt man intuitiv die wichtigsten Prioritäten und schafft das, was man wirklich schaffen muss auch. Und man schafft es gut. Weil man in diesen Moment die richtigsten Entscheidungen trifft. Zumindest ist das bei mir so.

Deshalb ist es wichtig, für sich selbst da zu sein, sich selbst zu hegen, zu pflegen und selbst zu lieben und sich darüber klar zu werden, was wirklich wichtig ist und das, was eben nicht auf dieser Liste erscheint, auch hinten anzustellen. Das erfordert manchmal Mut, aber wenn es einem besser geht, ist das nicht die schlechteste Sache. Oder?

Mein Wort zum Sonntag mit lieben Grüßen!
Birgit

Kommentare:

  1. Hach...wahre Worte und so schwierig umzusetzen!
    Liebe Grüsse aus der Schweiz und gute Erholung!
    Katarina

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    1. Oh ja und so wichtig. :-) Liebe Grüße zurück! :-)

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