Sonntag, 17. Mai 2026

Social Gaslighting: Wenn chronische Erkrankung unbequem wird


Meist beginnt es mit einem Lob. So wie vor einigen Wochen, als es hieß:

Großartige Arbeit. Wichtig, was du machst. Beeindruckend, wie engagiert du bist.

Und kurz danach kommt die eigentliche Frage.

Eigentlich immer. Das hat fast System.

Manchmal würde ich solche Dialoge gerne abkürzen mit einem schlichten:
Was willst du eigentlich?

Aber natürlich funktioniert das anders. Wenn man etwas möchte, ist man erst einmal freundlich. Das ist das Ritual. Eigentlich ganz schön — hätte es nicht manchmal einen bitteren Beigeschmack.

Aber zur Frage: Ob ich nicht mal eben an einer Veranstaltung teilnehmen könnte. Online natürlich. An einem Freitag.

Das Datum wird genannt, die Uhrzeit auch. Und damit liegt das Blatt auf dem Tisch.

Und jetzt wird es ein bisschen bitter.

Dienstag, 17. März 2026

Mehr als nur ein Tag - More than just one day! International Womens Day!

 English Version below! 



Am 8. März war wieder Internationaler Frauentag.

Das Netz war voll mit Posts. Frauen empfahlen Frauen, es gab Blumen, Herzchen, kleine Geschenke und viele Beiträge darüber, dass Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht ist. Stimmt. 

Ich finde diesen Tag wichtig. Er schafft Aufmerksamkeit für Themen, die noch immer nicht selbstverständlich sind und die es längst sein sollten. Verdienst ist wohl das prominenteste Beispiel. 

Und trotzdem frage ich mich jedes Jahr: Warum eigentlich nur ein Tag?
Was bleibt übrig, wenn er vorbei ist? So schnell wie er aufkam, verschwand er wieder. Geändert hat sich deshalb nichts. Wir machen einfach weiter. Irgendwie. 

Freitag, 30. Januar 2026

Krank? Dann geh halt arbeiten.

Der Bundeskanzler beklagt die „Faulheit“ der Deutschen.

Zu viele krank. Zu viele Fehltage. Zu viele Krankschreibungen. Wer hätte das gedacht! 

Und wie so oft wirkt die Debatte auf den ersten Blick nüchtern, sachlich, zahlengetrieben. Man spricht über Arztbesuche, über AUs, über angeblich einfache Lösungen. Ab Tag 1 bitte alle zum Arzt. Ordnung muss sein.

Spoiler: Das hilft bloß nicht.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Verantwortung - leise gedacht! 21 Jahre mit MS

Heute sind es 21 Jahre.

21 Jahre, seit ich die Diagnose Multiple Sklerose bekommen habe. Damals war vieles dramatisch. Die Gespräche mit den Ärzt:innen waren anweisend, sachlich, aber wenig begleitend. 

Vieles wurde gesagt, wenig aufgefangen. Und vielleicht war es genau in dieser Zeit, dass ich zum ersten Mal sehr bewusst Verantwortung für mich selbst übernommen habe.

Nicht, weil ich wollte. Sondern weil es nötig war. Damals wurde mir klar: wenn ich etwas anders machen will, etwas verändern muss, muss ich einstehen, aufstehen und argumentieren. Und durchgreifen. Manchmal.