Freitag, 6. Januar 2012

Das verflixte 7. Jahr

Gestern war der Tag der Tage. Sozusagen. Am 5. Januar 2005 begann mein erster Schub.

Entzündung des Sehnervs am rechten Auge. Es hatte sich die Jahre darauf immer so ergeben, dass ich genau in den Tagen um den 5. Januar netterweise einen Schub bekam. Mal leichter, mal schwerer.

Seit 3 Jahren durchbreche ich die Barriere des 5. Januar aber mit System, in dem ich mir einen richtig tollen Abend mache. Und habe keinen Schub. Aber in diesem Jahr ist es besonders, denn Fräulein Trulla und ich sind im verflixten 7. Jahr ... In wenigen Tagen feiert das olle Fräulein seinen 7. Geburtstag. Ob ich uns diesbezüglich einen Besuch im Café gönnen soll, der ganz nach dem Geschmack des Fräulein Trulla wäre?

Das wäre auch noch eine nette Unterbrechung. Schwarzwälderkirsch - Torte, ein Kännchen Kaffee mit einer Portion Schlagsahne und ein Likörchen.

Das würde perfekt zu den wassergewellten Löckchen, dem Twin-Set und dem sittsamen Schurwollrock passen. Sie würde sich ihren Sonntagshut aufs Köpfchen drücken, die Schuhe (orthopädisch wertvoll) polieren und das gute Handtäschchen aus dem Karton holen.

Eine gute Idee, finde ich, ich muss darüber ernsthaft nachdenken. Wieso nicht so an sie denken. :-)) Mal positiv und ohne den "Ich hab den Scheiß am Hals" Gedanken. Sie einfach mal so sehen wie sie ist. Lästig, ja, nicht wirklich abzuschütteln, auch ja und das Leben mit ihr einfach auch lebenswert finden. Das ist es nämlich trotzdem noch.

Wir könnten natürlich eine fette Party starten. Auch eine Möglichkeit. Cocktails, Fingerfood, laute Musik und ein wenig Spaß oder einen Mädels DVD Abend machen. Irgendwie so. Die Torte könnte man ja trotzdem auf den Tisch stellen. Ich mag Schwarzwälderkirsch ja auch gerne. Tiramisu ist mir aber lieber. ;-))

Ich finde nämlich, dass das Jahr 2012 perfekt ist für die eine oder andere Veränderung. Für Neues. Auch für das olle Fräulein. Eine nette Idee, die so noch nicht da war, werde ich mir überlegen. Wenn ich könnte, würde ich wieder in Trainingsstunden gehen, in denen man sich so richtig mit lauter Musik auspowert und hopst, springt und was für sich tut. Leider geht das nicht mehr so gut und das ist etwas, was mir wirklich so richtig fehlt. Aber möglicherweise findet sich etwas anderes. Wer weiß.

Gibt es noch jemand, der sich schon mal an so markante Tage im Verlauf einer "geschobenen Geschichte" erinnert? Oder jemanden, der grundlegend verändert?

Ich glaube, ich werde an meiner Überlebensstrategie feilen und das verflixte 7. Jahr mit Fräulein Trulla zu einem machen, was uns richtig gut tut.

Neugierig!

Birgit

Kommentare:

  1. Liebe Frau Bauer,

    mein Fräulein Trulla zog vor 10 Jahren, irgendwann zwischen Weihnachten und meinem 30. Geburtstag, über meinen linken Sehnerv bei mir ein. Und ich tauschte Champagnerparty gegen Kortisonbehandlung. Nix Silvester, keine Geburtstagsparty. Und seit 10 Jahren überkommt mich in der Vorweihnachtszeit immer ein ungutes Gefühl, Fräulein Trulla beim Schlafen zu stören und verhalte mich auch ganz ruhig. Manchmal zwickt sie mich, meckert rum wenn ich wieder zuviel arbeite oder steckt mich mit ihrer Müdigkeit und dem Bedürfnis nach vielviel Schlaf böse an. Aber ansonsten ist sie lieb. Dafür darf ich morgen, an meinem 40. Geburtstag und unserem 10. Ehejubiläum mit ihr nach Paris reisen.

    Ich habe mein Fräulein Trulla geheiratet, und wir führen eine perfekte harmonische Ehe. Wenn es mir gut geht, geht es Madame auch gut, und sie meckert auch nicht rum ;-)

    Liebe Frau Bauer, ich wünsche Ihnen und Ihrem Fräulein Trulla auch noch viele schöne Jahre. Auf unser Wohl!

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  2. Auf unser Wohl! Und ich hoffe, Paris ist der Knaller! Viel Spaß und meine herzlichen Glückwünsche! Die güldene 4 ist das Beste, was mir je passiert ist! :-))) Herzliche Grüße

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  3. Bei mir wurde diese tolle Krankheit im Mai 2003 diagnostiziert, auch eine Sehnerventzündung gehabt, 3 Wochen Krankenhaus, und dann zusehen wie man damit zurechtkommtt. Es hat einige Jahre und ein paar Alpträume gedauert... und trotz Avonex hatte ich mindestens 2-mal im Jahr einen Schub. 2007 bekam ich meinen Sohn und seitdem hatte ich 2008 meinen letzten Mini-Schub mit Kortisonbehandlung. Lettens nur ein komisches Gefühl am Bein - ganz minimal - das war nach paar Wochen wieder weg. Seit meiner Schwangerschaft habe ich ein bischen Ruhe vor meiner "Trulla", aber sie ist immer in meinem Kopf und ich werde sie nie vergessen, ich warte nicht darauf das sie sich zeigt, ich werde es merken wenn sie meint sich bemerkbar machen zu müssen. Aber ich achte natürlich auf meinen Körper, ich lebe so wie ich es will und versuche nicht allzuviel Stress abzubekommen (was bei einem fast 5-jährigen nicht einfach ist) und versuche auch immer in Bewegung zu bleiben.
    Eine gute Methode. Jeder der MS hat findet irgendwann für sich den Weg der ihm persöhnlich gut tut, und so muss das auch sein.

    Viele liebe Grüße
    Anja
    (Kaffeeblond bei Twitter)

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  4. Hallo Anja,
    ja stimmt schon, jeder muss seinen ganz eigenen Weg finden. Ich finde das auch wichtig, weil die Krankheit so unterschiedlich ist und ja auch völlig eigene Wege geht. Sehnerventzündungen haben viele als ersten Schub, der registriert wird. :-) Das ist aber wohl eine der ganz wenigen Gemeinsamkeiten ... Dann gehts schon in den eigenen Weg hinein, aber ich finde auch, dass man ihn gehen kann, man muss sich halt in seinem Leben neu einrichten und das geht immer.

    Ich glaube, wir machen das schon ganz richtig!

    Herzliche Grüße
    Birgit

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