Donnerstag, 8. März 2012

Herz am richtigen Fleck! ;-)

So, da bin ich wieder. Man möchte es ja nicht glauben, solche Langbesprechungen können einen ganz schön erschöpfen. :-))

Aber, ums schon vorab zu sagen: Eure Daumen haben geholfen. Ich habs eingesackt, mein angepeiltes Komplettpaket. Und ich freu mich wie eine Schneekönigin. Tage wie solche, die muss man genießen, vermerken, rot anmalen im Kalender, die darf man nicht vergessen, denn es sind die Tage, an denen biste so normal wie jeder andere auch. Warum? Lesen!

Frau macht sich schon so ein wenig Gedanken. Besonders, wenn sie MS hat, denn, die Vorurteile sind groß und viele zucken immer zurück, wenn man sagt, dass mans hat oder die Tatsache schon bekannt ist. Dann hat man Herz in Hose und wenn es dann noch so ein Termin der Marke "DER Termin" ist, dann sowieso. :-)

In diesem Falle aber war es sehr entspannt und das Beste war: Ich hab gezählt. Meine Fähigkeiten, mein Wissen, meine Ideen und meine Erfahrung im Job. Der Rest? Völlig wurscht.

Fräulein Trulla war kein Thema. Schlicht und ergreifend. Und ganz ehrlich, das hat so gut getan. Es war, als wäre sie nie da, als gäbe es sie gar nicht. Sie bekam noch nicht einmal ein Nebenröllchen in dem Film.

Etwas, das mich sehr freut. Gibt es doch noch immer genügend andere Zeitgenossen, die wirklich Probleme haben, wenn man damit rausrückt. In dem Fall wars klar, dass die das wissen, es hat nur nicht interessiert. Vorbildlich und so unvoreingenommen. Geht runter wie Öl. Echt.

Es geht nämlich auch anders. Ich habe das schon selbst zu spüren bekommen. "Tut uns leid, aber da Sie so krank sind, sind Sie nicht verlässlich und sicher, daher können wir Sie nicht nehmen!" Hammer! Tut weh! Weil da jemand mit mir gesprochen hat, damals, als ich auch diesen einen Job so gerne gehabt hätte, der sich überhaupt nicht auskannte.

Er hatte vorher noch zugegeben, dass er keine Ahnung von MS hatte und zeigte deutlich, dass er von Vorurteilen oder auch netten Klischees und Pauschalen lebte. Für mich war das eine Ohrfeige. Ich wusste es nämlich besser und hätte den Job locker machen können. Aber krank ist krank ist krank und somit arbeitsunfähig, nicht gut genug und somit auf dem Abstellgleis. Basta.

Dabei müsste man es dem Menschen, der da sitzt und krank oder behindert ist, doch überlassen können, selbst zu beurteilen, ob er einen Job machen kann oder nicht. Ich würde mich nie für etwas interessieren oder bewerben, das ich nicht schaffen könnte. Weil ich mir die Blamage ersparen möchte und auch das Eingestehen der Niederlage. Wer mag das schon.

Mein Firmenkonzept steht sicher. Selbst im Schub. Ich habe es damals, als ich die Diagnose erhielt, so umgebaut und mich ganz bewusst für die Freiberuflichkeit entschieden, dass es für mein Leben mit MS passt. Mir war nach ungezählten fadenscheinigen, aber doch deutlichen MS Absagen klar, dass mich nie wieder jemand als Angestellte für sein Unternehmen einstellen würde.

Sich so einzustellen, dass man weiß, was man sich durchaus zutrauen kann und was nicht, ist etwas, das man lernt. So mit der Zeit. Wenn man sich einige Male überfordert hat, kennt man seine Grenzen und weiß genau, wann etwas nicht mehr möglich ist.

Umso angenehmer war es, dass man mir diese Entscheidung selbst überließ. Die Frage war eher "Können Sie sich die Zeit für uns nehmen? Wir würden wirklich gerne mit Ihnen arbeiten!" Es ging nicht um "Trauen Sie sich das zu?" "Oder sind Sie dazu fähig?". Es ging um meine Zeit, die man kaufen wollte, inklusive meinem Wissenspaket. Es ging darum, nachhaltige Wege einzuschlagen, die beiden Parteien langfristige Erfolge sichern.

Es geht nicht besser. Es war richtig und es ist soooooo gut. Ich saß da, in dem perfekten Outfit für diesen Termin, setzte mein Wissen ein und freute mich. Und in zwei Wochen ist die erste Themenbesprechung angesetzt. Mit der kompletten Redaktion. Darauf freue ich mich schon jetzt wie ein kleines Kind. Auf nachhaltige Erfolgswege in einer innovativen Redaktion mit tollen Kollegen und Menschen, denen es völlig egal ist, ob ich da mit MS daherlatsche oder nicht.

Solche beispielhaften Auftraggeber, Arbeitgeber und Projektentscheider bräuchten wir mehr. Dann wäre das Leben für viele Patienten, egal mit welcher Krankheit sie betroffen sind oder mit welcher Behinderung sie durch das Leben gehen, viel einfacher und leichter.

Wir können nämlich was. Trotz der Nebenschauplätze im Leben!

Total freudige Grüße

Birgit

Kommentare:

  1. Das sind ja richtig guuuuuuute Nachrichten!!! Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß mit dem neuen Projekt und halte uns auf dem Laufenden.

    viele Grüße, Sandy

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  2. Glückwünsche von Herzen!

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  3. Liebe Birgit,

    auf die Gefahr hin, dass ich es mir wieder mit allen Lesern und Ihnen verscherze, muss ich doch auch einmal den Focus auf den Aspekt der Auswirkungen der MS lenken.

    Ich bin schon lange Leserin Ihres Blogs, habe keinerlei Erfahrung mit MS, auch keine Bekannten oder Verwandten mit dieser Krankheit, sondern all meine Kenntnisse völlig unverfälscht ausschließlich aus diesem Blog. Und mir ist beim Lesen der Eindruck entstanden, dass man als MS-Patient öfter, als einem lieb ist, z.B. mit Fatique und all den Problemen, die Schübe am ganzen Körper verursachen, zu kämpfen hat.

    Sie vermitteln irgendwie nicht den Eindruck, dass Sie trotz Krankheit ohne Einschränkungen wie ein "gesunder" Mensch arbeiten können. Das ist ja auch überhaupt nicht schlimm, sondern ganz normal bei einer schweren Krankheit. Man sollte diesen Aspekt jedoch nicht aus den Augen lassen, finde ich, und die Arbeitgeber verstehen, die diesen Aspekt ebenfalls bei der Wahl des Arbeitnehmers berücksichtigen müssen.

    Dies ist mein Eindruck, der sich beim Lesen Ihrer vielen Beiträge herauskristallisiert hat. Ich lese heraus, dass mit MS nicht zu spaßen ist und man nie weiß, wie es morgen gehen wird, denn die Veränderungen kommen wohl plötzlich und ohne Vorankündigung.

    Sollte ich mich irren, wäre ich für eine Korrektur meiner Sichtweise dankbar, die wie gesagt, ausschließlich auf der Lektüre dieses Blogs beruht.

    Alles Gute und viel Glück, Claudia

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  4. Das freut mich so sehr für Dich - weil ich von meiner Freundin auch weiß: Wenn Du aus irgendwelchen Gründen aus ner Anstellung rausfällst - mit MS kannst Du vergessen, daß Dich IRGENDJEMAND wieder fest anstellen wird.

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  5. Hallo Birgit,
    auch ich möchte mich den den Glückwünschen anschließen, wünsche Dir viel Erfolg
    beim neuen Projekt und bin gespannt auf Deine folgenden Berichte!
    Liebe Grüße, m.anna

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