Dienstag, 10. April 2012

Reisen mit MS

In Kürze stehen einige Reisen an. Zwei  berufliche Trips und einer in den Urlaub. In mein Sehnsuchtsland Italien.

Wenn man reist, ist ja immer etwas Vorbereitung angesagt. Medikamente müssen als Notfallpakete eingeplant werden, wenn man kühlkettenpflichtige Medis mitnehmen muss, braucht man Kühlmöglichkeiten und wenn man einen Schub bekommt, sollte man wenigstens eine Notration Kortison oder eine gute Arztadresse im Gepäck haben.

Ich gebe zu, ich reise gerne. Schon immer. Wenn es darum geht, mit dem Köfferchen loszuziehen, bin ich die Erste. Allerdings reise ich gerne mit zuviel Gepäck, ich kann mich immer so schlecht entscheiden, was ich mitnehme und wenn ich am Morgen schon vor einem Kleiderschrank stehe, der vermeintlicherweise nichts hergibt, bin ich erst einmal mächtig schlecht gelaunt. :-)

Meine Lieblingsreisen sind solche, in denen sich Entspannung und Kultur und das Erkunden die Waage halten. Früher lief ich ganze Tage durch Städte und am nächsten Tag wieder, das geht heute nicht mehr. Ich muss es langsamer angehen lassen.

Ankommen, Koffer ins Zimmer packen und losziehen sind nicht wirklich gut. Heute mag ich es ruhiger. Ankommen, Zimmer erkunden, auspacken, ausruhen, was trinken. Einleben. Durchatmen.

Dann losziehen, ein wenig in der Fremde schnuppern, erste Eindrücke sammeln und mit der Kamera festhalten. Übrigens etwas, das mir neuerdings sehr gefällt, ist die Fotografie. Das liegt wohl an meiner neuen Kamera, die ich mir vor einigen Monaten für den Job anschaffte und ohne die ich nirgendwo unterwegs bin.

Hinter mir liegt dann, neben der Anreise, auch die Recherche nach Stufen und Aufzügen. Für den Fall, dass ich einen schlechten Gehtag habe, brauche ich mehr Erleichterung auf den Wegen als sonst. Auch hoch angelegte Stufen können zum Problem werden und jede Treppe braucht ein gutes Geländer. Für den Fall der Fälle. Ich weiß, wo ein möglicher Arzt sitzt, der ein wenig Ahnung von MS hat und einschätzen kann, was Sache ist und wo ich eine Apotheke für Notfallmedikamente finde. Frau weiß ja nie. :-)

Mir ist Ruhe wichtig. Auch wenn es sich um größere Häuser dreht, wie beispielsweise auf Geschäftsreisen. Ich muss entspannen können, dort wo ich bin und wenn man mir ein Schwimmbecken dazu gibt, bin ich begeistert, denn Schwimmen tut mir gut. Was ich für mich auch wichtig finde, ist eine Bar oder ein Restaurant direkt vor Ort. Wenn ich am Abend nicht so fit bin, will ich schnell und gut essen können. Bequem halt.

Früher, als ich noch kühlkettenpflichtige Medis mitnehmen musste, war alles etwas schwieriger. Wollten wir in die Toskana, brauchte ich genügend Akkus oder, falls wir im Hotel zwischen übernachteten, einen Hotelier, der mir ein Plätzchen im Kühlrschank einräumte. Es gab so manches Mal einige komische Blicke, wenn ich mit gut verpackten Spritzen ankam. Mal abgesehen vom Erklären. :-)

Heute ist das Reisen einfacher, die Kühlkette ist weg und alles, was ich mitnehme, kann ich erklären. Zur Not auch mehrsprachig. Das habe ich mir nach der ersten italienischen Erfahrung angewöhnt. Und es klappt auch alles. Es war dennoch eine ziemliche Umstellung, mit MS zu reisen. Ich hatte das etwas unterschätzt und als mein damaliger Neurologe mir ein ganzes Päckchen für Notfälle in die Hand drückte und mir noch einige Infos in Fremdsprachen dazu packte, wurde mir flau. Heute weiß ich, Kortison darf im Koffer bleiben, wenn ich es nicht brauche, die Fremdspracheninfos sind nur Sicherheit, aber keine Panikmache. Mir ist klar, wie weit meine Grenzen reichen und wann ich einfach eine Pause brauche und scheue mich dann auch nicht, sie mir zu nehmen.

Allerdings verzichte ich auf Gruppenreisen. Immer im Rudel zu marschieren und blöde angegafft zu werden, wenn die Olle schon wieder eine Pause braucht oder dumme Sprüche gedrückt zu bekommen, ist nicht mein Ding. Dann lieber mit dem besten aller Ehemänner und in meinem Tempo. :-) Dann passts auch mit dem Urlaub.

Was ist für Euch wichtig im Urlaub? Besonders im Umgang mit MS?

Viele Grüße

Birgit

Kommentare:

  1. Liebe Birgit,

    ich habe seit 7 Jahren MS.

    Nach wie vor kann ich verreisen. Daran mir Notfallmedikamente mitzunehmen, habe ich noch nie gedacht, da ich es auch zuhause ablehne, Medikamente einzunehmen.
    In diesem Jahr bin ich bereits 3 x für jeweils 14 Tage (auch ins Ausland) verreist. Ich kann mir Städte und Museen anschauen, Strandspaziergänge geniessen und mir des Abends ein feines Essen und die Weinchen einverleiben.

    Ich weiss, mir geht es (noch??) gut.

    Du fragst was im Urlaub im Umgang mit MS wichtig ist:

    positive Grundstimmung
    nicht immer an die MS denken
    sich mit netten Menschen umgeben
    Neugierieg sein

    Dir einen schönen Urlaub
    Renate

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  2. Oh, dann haben wir ja den gleichen Zeitraum mit MS hinter uns. Mir geht es auch noch gut und Medis habe ich nur für Notfälle dabei. Eine Ration Kortison und Magenschutz, wenn sich ein aggressiver Schub ankündigt. Damit ich noch gut nach Hause komme, wenns brennt. Allerdings bleibt die Notration immer im Koffer und wird gar nicht aus der Hartschale befreit. Und ja, stimmt schon, sich freuen, genießen, sich umschauen, erleben und leben! Das ist im Urlaub angesagt. Und ja, uns gehts gut, es gibt halt auch andere, die ein wenig schlechter dran sind und vielleicht findet sich auch noch der eine oder andere Tipp für diejenigen. Beispielsweise, wie man Hilfsmittel transportiert oder so...

    Herzliche Grüße und immer tolle Reisen
    Birgit, die im Mai erst mal auf Geschäftsreisen ins Ausland geht, bevor dann der Urlaub kommt.

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