Mittwoch, 2. Januar 2013

Na? Über Rauchen, Medikamente und das neue Jahr ...

Wie das in Einklang geht? Na ja, ich drösle auf:

Ich hoffe, dass Ihr alle gut ins neue Jahr gekommen seid und wünsche Euch alles Gute für 2013!

Wie 2013 wohl werden wird? Der Gedanke geht mir nicht aus dem Kopf und die ganze Zeit schwirrt mir ein Wort im Kopf herum: Abschließen. Ich glaube, dieses Jahr wird gut, aber es wird eines, das mit Abschlüssen daherkommt. Was ja nicht die schlechteste Sache sein muss ... Kommen wir zum Rest ...Es ist ja so, dass ich das Prinzip "Leben und leben lassen" mag. Und danach lebe. Jeder soll das machen, was er für richtig hält und was er gut findet. Auch mit dem Rauchen ist das so. Ich bin leidenschaftliche Nichtraucherin. Schon mein Leben lang. Ich mag es nicht, wenn jemand nach kaltem Rauch muffelt und ich habe meistens tränende Augen, wenn ich längere Zeit in Gegenwart eines Rauchers verweile. Aber bitte: Wenns ihm gut tut .... Ich verbiete es keinem. Auch wenn es schädlich ist. Nachweislich.

Was mir aber noch mehr stinkt, als der Muffel nach kaltem Rauch ist, dass die FDP Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans tatsächlich vorschlägt, dass die Krankenversicherungen für die Entwöhnung vom Rauchen die Kosten übernehmen sollen.

Kann man hier nachlesen: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52863

Ich sage es mal so, wie ich es in meinem ersten Ärger formulierte: Anfangen zu rauchen, kann jeder von selbst. Dafür brauchts keine Medikamente und dass Rauchen schädlich ist, wissen wir erst nicht seit gestern. Wer also anfängt, in vollem Bewusstsein was die Risiken betrifft, der muss sich auch darüber Gedanken machen, wie er davon loskommt, wenns nötig ist. Und zwar ohne Krankenkassenzuschuß für Medikamente, die die Sache auch noch erleichtern.

Als MS Patientin passierte es mir in der Vergangenheit immer wieder, dass ich  keine Therapien nach Schüben erhielt. Auf Kassenkosten schon gar nicht. Ich durfte mir das, was nötig war und was mir half, schön selbst bezahlen. Eine Summe, die nicht niedrig ist, aber für funktionierende Gliedmaßen riskiert man sein Geld dann doch. Ergotherapie beispielsweise, eigentlich wichtig, wenn die Finger im Schub nicht mehr greifen. Sie soll die Schäden lindern, helfen, die Funktion wieder aufzubauen. Was bekam ich? Nichts!

Oder als mir meine linke Gesichtshälfte nicht mehr gehorchte, ich beim Schlafen das Auge nicht mehr zumachen konnte und mein linker Mundwinkel nach unten hing und mir der Anblick jeden Morgen die Tränen in die Augen trieb, weil der Schub so aggressiv verlief, ich bekam weder Hilfe noch Therapien. Ein laberiges "Das wird schon wieder, Sie wissen ja, der Regress!" und eine Kortisoninfusion waren alles. Toll oder?

Wenn ich dann höre, dass Menschen, die sich bewusst für eine "Droge" entscheiden, um davon loszukommen, Mittel in Medikamenten von der Kasse erhalten sollen, werde ich einfach nur sauer.

Ich kenne genügend chronische Patienten, die immer wieder Kräfte raubende Diskussionen mit Kassen und Ärzten führen, um bestimmte Therapien, die nachweislich Linderung verschaffen, zu bekommen. Sie haben sich ihre Erkrankung nicht ausgesucht. Man geht nicht in den Supermarkt und kauft sich ein Paket Krebs, MS, Rheuma und wie sie alle heißen im Sonderangebot.

Zigaretten schon. Die stehen dort an der Kasse. Man kann auswählen, ob man sie nimmt und konsumiert. Bei Erkankungen ist das nicht so. Man hat sie. Einfach so. Und muss damit leben. Gewollt hat sie bestimmt keiner. Bei Glimmstengeln ist das anders. Man raucht sie und weiß, dass man davon extreme Gesundheitsschäden davon tragen kann. Das Risiko ist aber, so scheints, vielen egal.

Dass das Loskommen kein einfacher Weg ist, kann ich mir vorstellen. Es ist hart, etwas aufzugeben, was einen über Jahre hinweg begleitet hat. Entzug und Nebenwirkungen sind eine harte Nummer. Ganz klar. Aber deshalb Zuschüsse von der Kasse für Medikamente, die den Entzug mildern, wo es doch eh schon psychologische Beratung, Bewegungstherapien (hätt ich auch gerne schön des öfteren gehabt) und Ernährungsberatung gibt? Wo man doch auch freiwillig die erste Schachtel ganz ohne Zuschuß erworben und den Glimmstengel angesteckt hat?

Nein, keine gute Nummer. Wenn man im Internet liest, gibt es erste kritische Stimmen, die der Pharmalobby die Schuld in die Schuhe schieben, das Ministerium distanziert sich (Gott sei dank) und auch der Spitzenverband der Krankenkassen lehnt das ab, die Beratungsangebote in Sachen Ernährung, Bewegung und Psychotherapie müssten genügen. Sagen sie. Vernünftige Menschen, wie ich finde.

Klar ist auch, dass Härtefälle zu überdenken sind. Aber die Regeln dafür müssen sehr konkret formuliert sein. Auch das Gesundheitsrisiko muss bedacht werden. Aber eben mal Medis für den Entzug? Nö.

Jetzt sollte man nur der Dame erklären, wie es sein könnte, wenn sich einer, der sich sein "Laster", sprich Krankheit, nicht ausgesucht hat, fühlt, wenn einer, der sich sein "Laster" freiwillig aussucht und sich nun entwöhnen muss, auf einmal Zuschüsse bekommen würde, während ein anderer, der nötige Therapien oder Hilfsleistungen aus welchen argumentativ nicht oder doch nachvollziehbaren Gründen oder Entscheidungen in Ausschüssen, nicht bekommt und dringend bräuchte, leer ausgeht.

Was wäre gerechter? Darüber sollten wir nachdenken und bessere Lösungen finden, damit das Gefühl des Ungerechten nachlassen kann. Gemeinsam.

Kommentare:

  1. Ich könnte bei sowas echt austicken - ich vergönne ja jedem sein "Laster" - nur - es gibt eine Menge Krankheiten, für deren Behandlungskosten kein Cent bezahlt wird.

    Blöd gesagt: ich bin kurzsichtig. Ist ja nun nichts besonderes. Bei weitem nicht sooooo kurzsichtig, sondern ich dümple so bei soliden 3 auf der einen und 4,5 Dioptrin auf der anderen Seite rum.

    Zur Brille gibts keinen Cent dazu. Ich habs mir echt nicht ausgesucht. Ich hab auch nichts getan, damit ich kurzsichtig werden. Ich könnte ohne Brille keinen Beruf ausüben. Ich verlege meine Brille nie - denn ich setze sie noch vor dem Aufstehen auf und lege sie erst nach dem zu Bett gehen ab. Ich seh nämlich NICHTS ohne Brille.

    Warum darf ich mehrere hundert Euro für die Behebung dieser Einschränkung bezahlen? Immer wieder? Klar - das dünnere Glas - es gäbe billigeres. Und die Beschichtung und Entspiegelung. Nur - wer Brille selber trägt, weiß - der Unterschied ist sichtbar, fühlbar und bei ungleichen Stärken hängt bei den billigen Gläsern auch noch eine Seite.

    Natürlich bezahle ich das. Nur - mit welcher Begründung werden andere - selbst verschuldete mit offenen Augen eingegangene - Krankheiten bezahlt und diese nicht?

    Grrrrrr

    (PS: Ein gutes gesundes Neues Jahr!)

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  2. Nun ja, ich verstehe sehr wohl, dass Menschen mit einer MS sauer sind, dass die Krankenkassen nicht alles an Therapien übernehmen können. Dennoch kann ich so pauschal nicht die Raucher verurteilen. Gerade ältere Menschen haben Rauchen noch nicht als gesundheitsschädlich in ihrer Kindheit begriffen. Mit 13 Jahren waren einige Kinder bereits Raucher! War ja auch einfach an Zigaretten zu kommen, überall hangen frei zugängliche Automaten, an jedem Kiosk konnte auch ein kind sie bekommen, Reklame überall an den Wänden, im TV und in den Medien- ja sogar im Kino. Wenn diese menschen sich nun doppelt bestraft fühlen, weil man sie erst zu abhängigen Rauchern gemacht hat und später dafür "verfolgte" und diskriminierte, dann ist das schon echt ungerecht. Natürlich wollen diese Menschen gern aufhören- doch wie jeden Drogenabhängigen sollte man sie dabei auch unterstützen. Immerhin spart sich die Krankenkasse durch weniger Raucher, welche dann auch gesünder leben ja enorme Kosten, welche sie sonst bezahlen müsste bei Lungenerkrankungen, Amputationen und Krebsbehandlungen.

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  3. Liebe Birgit,

    ich werfe gerne noch den psychologischen Aspekt ein, was nichts kostet ist nichts. Raucher, die wirklich aufhören wollen, werden dies eher schaffen, wenn sie für die Therapie Leistung auch Geld bezahlen.

    Hier gibts es einen Artikel und eine Studie dazu:

    http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/wissenswert/studie-zum-verhalten-von-verbrauchern-was-nichts-kostet-ist-viel-wert/2985614.html

    Abgesehen davon, sparen Nicht-Mehr-Raucher im Schnitt €5 pro Tag ein, bei einer Packung pro Tag, das heißt binnen eines Monats oder eineinhalb haben sie locker die Kosten für einen Rauchentwöhnungskurs wieder amortisiert.

    Liebe Grüße
    Karin

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  4. W** kann ich verstehen, ich wollte das auch nicht noch aufführen, geht mir aber ähnlich. Autofahren ohne ist echt gefährlich. :-))) Da wären wir beim bewussten Aussuchen: Klar könnt ich ohne, aber könnte ich das Risiko tragen? ;-)

    Rosita, ich schrieb, dass man auf Härtefälle achten solle.
    Wir wissen doch nicht seit gestern, dass Rauchen extrem gefährlich ist oder? Meine Kindheit ist einige Jährchen her und selbst bei uns war klar: Rauchen mag cool sein. Manchmal. In der Kindheit, weils verboten ist. Aber gesund, das war uns allen klar, ist es deshalb noch lange nicht und ich erinnere mich noch mit Ekel an die Raucherbeinbilder in der Schule.

    Karin: Du hast so Recht. Was umsonst ist, ist nix wert. Leider.

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  5. Grins - ich dürfte ohne Brille nicht autofahren - ich war schon "blind wie ein Huhn" als Teenager - bei mir stehts im Führerschein drin, daß ich eine "geeignete Sehhilfe" tragen muß.
    Mich ärgert es aber echt - denn wie gesagt - ich kann nichts - aber auch gar nichts für dieses "Defizit" - muß aber alle daraus resultierenden Kosten selber bezahlen. Ich würde ja noch verstehen: Grundleistung (also einfachste Brille) würde bezahlt, Sonderwünsche sind "Privatvergnügen".

    Aber GAR KEINE LEISTUNG finde und fand ich mehr als unfair.... und einige hundert Euro im Jahr für Brille, Sonnenbrille und Notfall-Ersatzbrille tun schon weh....

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  6. W*** schon krass oder? Für Sicherheit dürfen wir zahlen, obwohl wir uns das schlechte Sehvermögen nicht aussuchen ....

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