Dienstag, 23. April 2013

Rom in Stücken ...

Die letzten Tage verbrachte ich in Rom. Ich war dort bei der Konferenz des EU Projektes eupati (European Patients Academy on therapeutic Innovations), wo ich mich, wie viele andere auch, für mehr Patientenrechte und Mitsprache von Patienten einsetze.

Wie Ihr wisst, bin ich immer noch der Meinung (mancher mag es wohl als irrig bezeichnen), dass man mit Patienten auf einer Augenhöhe diskutieren sollte, sie als Person und nicht als Versuchskaninchen betrachten darf und durchaus ihre Meinung annehmen sollte, wenn sie sie äußern.

Aber das ein anderes Mal, ich hatte nämlich beschlossen, la bella Italia ein wenig zu genießen. Nur zwei Tage, aber die waren eine gute Mischung, wenngleich es nicht ohne Schmerzmittel ging. Kommt man nach Rom und hat Gehprobleme, stolpert man sofort über schlechte Gehmöglichkeiten. Holperiges Kopfpflaster ohne Ende, Schlaglöcher und Stolpersteine, wohin das Auge blickt. Klar, sieht man es so, ist Rom durchzogen von archäologischen Besonderheiten und man hat sich damit arrangiert, dass es holpert. Und als Gast muss man damit klar kommen.

Ich muss zugeben, ich  habe mir an mancher Stelle echt Krücken gewünscht, ich habe noch nicht mal welche, weil ich sie im normalen Alltag gar nicht brauche, aber dieses Mal schon. Weil meine Beine nicht mehr wollten und ich quasi das beste Herzblatt aller Zeiten zur Gehhilfe umfunktionierte, wenn es nicht mehr ging. Und es ging dann doch wieder, weil er einfach weiß, wo ich zwei Schultern zum Festhalten gut gebrauchen kann. Ein Problem saß in meinem Rücken, der am Samstag besonders übel schmerzte. Blöd nur, dass das Geschmerze anfing, als ich mitten in einer Führung durch die vatikanischen Museen war. Stehen, Schlendern, Stehen, Gehen, die Mischung hat mir übel mitgespielt und am Ende ging es nur noch mit Schmerzmitteln und einer sehr langen Pause in einer Trattoria.

Von denen gibt es an jeder Ecke eine und so war es kein Problem. :-) Ich lebte drei Tage quasi im Turnschuh. Alle anderen Schuhe waren ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr auszuhalten und so latschten meine Lieblingssneakers in Knallblau mit mir durch die Stadt, in Busse (man könnte meinen, man schwimmt auf dem Rücken einer watschelnden Ente durch stürmische See, so sie fahren) in denen einem schlecht wurde und durch malerische Gassen, in denen man einen Moment schlicht verweilen konnte, weil sich dort, seltenerweise, kein Menschenauflauf befand.

Wir zogen quasi als Polonaise durch die Stadt, bewegten uns so gut es ging und ich muss sagen, Römer beim Sonntagsspaziergang auf einem warmen Stein zu beobachten, ist spaßig. Kinder rennen mit Eis verschmierten Gesichtern durch die Menge, kreischen, wenn das mit dem Befehl an Papa nicht klappt und legen richtig los, wenn auch Mama nicht mitspielt. Dazwischen: "Echte" Römer, also Nachwuchslegionäre, die am Handy hängen und Befehle brüllen und jede Menge Polizei, die in Rom aussieht wie ein Heer von Generälen. Sie tragen alle sehr imposante Uniformen.

Dazwischen läuft einem Silvio und seine Bodyguards über den Weg, als er in einer sehr kleinen Fanmenge badet, man sieht den Papst am Fenster über Liebe, die Schönheit des Lebens und Jesus reden und denkt: Ich hab Kreuzweh. Gott sei Dank erfand man die Schmerztablette. :-)

Nein, im Ernst, trotz dickem Aua und einem therapiebedürftigen Rücken: Die Tage waren es wert. Sie haben Fräulein Trulla fast vertrieben, die haben wir wohl auf einem der Steine dort zurückgelassen, denn heute geht es mir bedeutend besser. Sie stolperte auf ihren orthopädisch wertvollen Absätzen daher und hielt mit der einen Hand die Handtasche fest umklammert und mit der anderen balancierte sie das Sonnenhütchen (Modell: Vogelnest mit Küken) auf dem Kopf. Jedenfalls scheint sie wohl von Amore getroffen oder von mafiösen Kumpels entführt worden sein. Genaueres wissen wir nicht.

Und falls mir noch einer sagt, dass es superkitschig ist, wenn ein verliebtes Paar in einem kleinen Ristorante am Tisch sitzt, bei Kerzenschein eine riesige Portion Spaghetti vernudelt und dazu leckeren Wein trinkt und daneben ein Mensch mit Gitarre leise klampft und die typisch italienischen Songs trällert, dann gebe ich ihm recht. Es ist superkitschig. Aber wenn man selbst als Paar mitten in der Szene sitzt und am Ende bei Tiramis Su und einem Espresso (Caffè) noch mitsummt, dann weiß man, dass es eben auch superviel Spaß macht, einfach nur kitschig zu sein. Ehrlich!

Rest folgt! :-)

Birgit

Kommentare:

  1. Der Charme von Rom ist ja gerade, dass so vieles erhalten geblieben ist und dass die kleinen Gässchen nun mal nicht geteert sind, sondern man über altes geschichtsträchtiges Pflastergestein geht. Und nirgendwo ein modernes Haus stehen sieht .... alles "altes Gemäuer" -- einfach wunderbar

    Das muss man wissen, wenn man nach Rom kommt --- und man kann die Stadt übrigens prima mit den vielen Bustouren erforschen, wenn man nicht so gut zu Fuß ist, das funktioniert sehr gut.

    Nebenbei bemerkt: Ich trage auch nur Turnschuhe, wenn ich eine Städtetour mache, denn ich habe auch keine Lust, mir die Füße zu ruinieren.

    Vielleicht hätte man sich bei Beschwerden mit Krücken oder einem Rollstuhl behelfen können, das wäre bestimmt eine große Erleichterung gewesen.

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  2. Hätte ich das nur gewusst! Ich unvorbereitete Reisende. Herzblatt fragt sich gerade, wieso wir ausgerüstet waren, als wäre eine Expedition fällig. Nächstes Mal frage ich hier offen nach. Jemand Tipps für Berlin? ;-)

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  3. Quote Rebecca:

    "Der Charme von Rom ist ja gerade, dass so vieles erhalten geblieben ist und dass die kleinen Gässchen nun mal nicht geteert sind, sondern man über altes geschichtsträchtiges Pflastergestein geht. Und nirgendwo ein modernes Haus stehen sieht …. alles “altes Gemäuer” — einfach wunderbar

    Das muss man wissen, wenn man nach Rom kommt — und man kann die Stadt übrigens prima mit den vielen Bustouren erforschen, wenn man nicht so gut zu Fuß ist, das funktioniert sehr gut."

    Wer ist denn diese oder dieser super schlaue "man"? Muss ja echt ein ganz helles Köpfchen sein und auch noch so viele;-))

    Sonnenverwöhnte Grüße
    Karin

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  4. @Birgit,

    das nächste Mal einfach Frau oder Herrn "man" fragen! Da werden Sie geholfen, garantiert... *LOL*

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  5. @Karin: Wieso glaubste wohl, dass ich schon Berlin angemerkt habe? ;-) Ich hätte ja auch wirklich nur ganz vorsorglich beim Doc Krücken beantragen können. Für den Fall aller Fälle ... Man weiß ja nie.

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  6. Dann lautet die korrekte Frage: "Hat man Tipps für Berlin?"

    Sonst kommen hier noch irgendwelche Neunmalklugen mit sauertöpfischen Ratschlägen, nee, nee, wenn dann richtig...

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  7. Meine Güte, das kontrollierende Fehleraufspürkommando ist unterwegs. Aber gut, ich korrigiere: Hat man Tipps für Berlin? Weiss man, wie dort die Straßenbeschaffenheit ist?

    Besser so?

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  8. Na also, geht doch, ja perfekt!

    Oder? Andere Meinungen, was meint man?

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  9. :-)
    "man" meint, dass in berlin alles gut gepflastert ist und "lauffreundlich" ... aber pflaster hin oder her ... ist auch ne grosse stadt und von sich aus schon anstrengend (ob zu fuss oder anders).

    rebekka wirds nicht so gemeint haben (in dubio pro reo) - sie weiss es wohl einfach nicht ...
    - dass es mit der überlegung "turnschuhe anziehen oder nicht" allein nicht getan ist ...
    - dass niemand, der nicht drauf angewiesen ist, unbedingt im rollstuhl oder mit gehilfe unterwegs sein möchte
    - und "man" einfach zeit braucht, auch rom (kommt daher die "ewige" stadt?) - egal wie gut jemand zu fuss ist ... ich spüre heute noch prag in den knochen ;-)

    wir ms'ies haben auch unsern stolz ;-)
    und solangs geht, gehts ...
    ich hätte es genauso gemacht - schmerztabletten und los ... :-)
    die knochen im strassencafe erholen lassen, einen guten therapeuten hinterher ... und zu guter letzt voodoopuppen stricken :-)

    da sind wir wieder beim "man" ;-)))
    also prag ... empfiehlt "man" auch sehr sachte zu erobern - mächtig viel kopfstein, aber auch sehr schön!

    in diesem sinne einen wunderschönen 1. mai!

    liebe grüsse

    steffi

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  10. Liebe Steffi,

    danke für deinen Kommentar. Ich musste grinsen. Und ja, wir MSies haben unseren Stolz und ich schwelge noch in römischen Erinnerungen. Aber in denen, die aus Gelati, Armore, Pizza und derlei Dingen bestehen ....

    Nach Berlin empfiehlt man wohl auch Sneakers. Gut, dass ich ein neues Paar habe. Sehr modisch. Und bequem. Und man empfiehlt wohl auch die Mitnahme von Schmerzmitteln, selbst wenn man da eher in einer großen Diskussionsrunde sitzt und als Expertin mitredet und weniger Städte erobert ....

    Liebe Grüße
    Birgit

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