Donnerstag, 24. Oktober 2013

Wie gehts dir denn?

Eigentlich eine Frage, die gut tut, wenn sie ehrlich gemeint ist. Ich stelle sie schon auch von Zeit zu Zeit und dann interessiert mich wirklich, was abgeht. Man darf mir gerne sagen, dass es nicht so prickelnd ist und auch wenns grad großartig läuft, finde ich das gut. Ich kann mitfühlen oder mich freuen, je nach Statusmeldung, die zurückkommt. Ich kann Hilfe oder Unterstützung anbieten, jemanden danach umarmen oder lachend mit ihm ein Glas Sekt schlürfen oder so.

Wie gehts dir denn? Ist für mich immer von Interesse. Allerdings gibts auch solche, die ganz andere Hintergründe haben ...



Ich erinnere mich noch an die ersten Einheiten "Wie gehts dir denn?" und damals, was unheimlich lange her ist, habe ich auch das erste Mal erfahren dürfen, dass nicht hinter jeder dieser Fragen auch wahres Interesse steckt.

Es hat mich aufgeregt, als ich feststellen durfte, dass manchmal nur lapidares Gefloskel angesagt war oder der Gesprächspartner eine gewisse Enttäuschung signalisierte (gerne auch gelb vor Neid zu werden schien), wenn ich zugab, dass es mir gut ging. Bissi naiv, ich weiß. :-)

Aber dafür ist das Leben da: zum Lernen, Erfahrungen machen und hinterher schlauer zu sein als vorher.

Damit man das eine oder andere auch besser ab kann.

Gestern wurde ich wieder einmal mit einem dieser Bäh - Wie gehts dirs? konfrontiert, die nur eine Antwort akzeptieren kann: "Danke hundsmiserabel!"

Mittlerweile kenne ich die berühmten Pappenheimer sehr gut und kann durchaus einschätzen, was wie gemeint ist.

Mein "Danke, prima", das ehrlich und begeistert aus mir herauspurzelte, war weniger angebracht. Ein irritierter Blick, ein langes "Hmmmm" sind da eindeutige Zeichen, dass die Person nicht hören möchte, dass es mir gut geht. Oder: Dass es MS Patienten gut gehen kann.

"Wie kann es dir gut gehen, du bist doch so krank?", war die Gegenfrage.

Hm, schwierig zu beantworten. Bin ich so krank? Wäre mal die erste Frage. Ja, ich habs schon geschrieben, MS ist nicht immer spaßig.

Fräulein Trullas Eigenarten sind von Zeit zu Zeit nervig, eklig, blöd, bescheiden oder sonst so was in der Art. Aber letztlich ist es auch so, dass es immer noch viel schlimmere Dinge gibt. Wenn ich auf Kongressen als Speaker arbeite und in Diskussionsrunden als Patientensprecherin mitrede und klar meine Ideen in den Raum stelle und formuliere, wo es hakt, dann werde ich auch mit Erkrankungen oder Symptomen konfrontiert, die wesentlich härter zu nehmen sind als MS. Ich will damit nicht sagen, dass ich froh bin "nur" MS zu haben, aber ich glaube, ich habe mich mit der Erkrankung und ihren Erscheinungsbildern arrangiert und weiß meinen Status zu schätzen.

"Wie kann es dir gut gehen?", ist der andere Teil der Fage. Gegenfrage: "Wie kann es mir nicht gut gehen?"

Ich glaube, es liegt an der eigenen Zufriedenheit. Klar gibt es Vieles, das schöner, besser oder größer ist. Schaue ich auf das, was ich aber hier in meinem Leben habe, gehts mir halt auch gut. Ich habe, was ich brauche und sogar ein wenig mehr und es ist ok. Wieso kann es mir also nicht gut gehen?

"Wie kannst du zufrieden sein?" Kam auch noch.

Tja, weil ich Zufriedenheit nicht von der Erkrankung abhängig mache, sondern von dem, was in meinem Leben im Gesamtpaket ist?

Die Person zog ab. Wirkte unzufrieden. Bei mir blieb für einen  Moment das Gefühl, dass da jemand hören wollte, wie übel es mir geht.

Gut, ich hätte das bestimmt auch sagen können. Das wäre zwar mächtig falsch erzählt, aber ich hätte gekonnt. Wenn ich gewollt hätte. Aber wieso sollte ich?

Wenn es mir doch gut geht? Wenn ich eine Phase erlebe, in der ich mit Fräulein Trulla gut leben kann, in der ich mich so wohl fühle, Spaß habe und neue Wege beschreite?

Warum sollte es mir also nicht gut gehen? Wie gehts Euch?

Birgit

 

Kommentare:

  1. Gut, danke der Nachfrage! :-)

    AntwortenLöschen
  2. Schön :-)
    Ich bin auch saufroh, dass Fräulein Trulla und mein Stossmichziehdich und alles anderen Fräuleins und wie sie alle heissen, gerade mit uns einen goldenen Herbst erleben und gute Laune haben.
    Lassen wir es uns mit ihnen zusammen gut gehen!

    AntwortenLöschen