Mittwoch, 14. Oktober 2015

Es tut mir ja auch leid aber ....

... ich kann nicht kommen, weil es mir nicht gut geht.

Oder: Es tut mir leid, ich hab MS.

Es tut mir leid, ist eine Sache, die ich oft lese. Und sie hat auch Ihre Zuständigkeit, es ist eine Entschuldigung, Bedauern.

Ich verwende sie auch oft und hinterher denke ich mir: Wie blöd bist du eigentlich? Du entschuldigst dich dafür, dass du MS hast. Obwohl du nichts dafür kannst. Sucht man sich ja nicht unbedingt aus, sowas.

In den letzten Wochen habe ich das mal beobachtet. Wenn ich es sage, dann oft deshalb, weil für den anderen offensichtlich nicht zu verstehen ist, dass mit MS, so gut man aussehen mag, auch Grenzen da sind, die man besser einhält. Bevor einen Fräulein Trullas Rache trifft. You know:-)
Immer dann, wenn ich auf Verständnislosigkeit stoße und so gar nicht klar wird, dass MS auch ab und an Verzicht und somit ein "Nein" bedeutet, fange ich an zu bedauern. Etwas, das ich nicht bedauern sollte, weil ich es mir nicht ausgesucht habe. Ich sags nochmal. Eigentlich sollte sich das Fräulein Trulla entschuldigen, dafür dass sie da ist und sich derartig schlecht benimmt.

Wenn ich "Nein" sage, trifft es mich genauso wie den anderen, ich bin mindestens genauso enttäuscht und frustriert, ab und an verärgert darüber, wenn etwas nicht klappt oder wenn ich etwas verpasse. Ein Nein enttäuscht nicht nur den Empfänger, sondern auch ab und an den Sender. Dann tuts doppelt weh. Einmal das Nein, das man sich selbst gegenüber geben muss, gegenüber dem anderen und oft genug wegen Verständnislosigkeit, die einen dazu verleitet, sich zu rechtfertigen. Obwohl man schon gesagt hat, dass man MS hat.



Und dann entschuldigt man sich. Irgendwie. Und es tut nicht gut. Wie immer, wenn man nichts angestellt hat und dann irgendwie raus aus einer Situation muss, die man weder verursacht hat und in der man doch steckt. Es fühlt sich an, als hätte man etwas gegessen, das einem wie ein oller Stein im Magen liegt. Autsch.

Immer, wenn das passiert, haue ich mir im Geiste auf die Finger. Spätestens als ich neulich wortreich zu einem "Es tut mir leid" Dings ansetzte. Gegenüber dem Herzblatt. Der es auf den Punkt brachte:

"Hör auf dich zu entschuldigen, es muss dir nicht leid tut, dass wir dieses Miststück an der Backe haben. Sag, was los ist, machs knackig und gut. Und wenn dir einer dumm kommt oder rumstochert, komm mit Killerphrase!" "Isso."

Sprachs, drehte sich um und das wars. Isso, umdrehen, nicht bedauern, sondern die Fakten auf den Tisch legen und sich nicht dafür entschuldigen.

Weil: Multiple Sklerose kann man nicht entschuldigen, soll man in meinen Augen auch nicht.

Recht hat er. Isso.

Birgit

Bild: Pixabay.com




Kommentare:

  1. Frei nach Wowereit heißt also die Erkenntnis: Ich habe MS und das ist gut so? Man hat dann wenigstens ein Thema zum Bloggen und Eingeladen wird man auch.
    Schon Uwe Ohmer gelesen? Der hatte ALS. Hatte!
    Vielleicht ist man ja doch gar nicht so unschuldig an seiner Krankheit. Die könnte man sich zum Beispiel durch "Normalsein" geholt haben.
    Wenn man eine Krankheit einfach so hinnimmt, könnte man sich schon entschuldigen.
    Bei Ohmer steht übrigens auch was man gegen MS tun kan.
    Ich hoffe, wir sehen uns Mittwoch bei smart-meets-safe.

    AntwortenLöschen
  2. Frei nach Bauer heißt die Erkenntnis, dass MS zu haben nicht gut ist. So einfach. Allerdings kann jeder für sich entscheiden wie er leben möchte. Mit dem Ringen und Verstehen mit Entschuldigungen oder damit, dass man sich für sein Leben entscheidet und es gut lebt. Jeder kann für sich das tun, was ihm am wohlsten tut und mit welchen Dingen er am besten klar kommt. Leben und leben lassen. Und klar, jeder braucht ein Blogthema, Sie haben ja auch eins. Nicht wahr? Beste Grüße, Birgit Bauer

    AntwortenLöschen