Dienstag, 15. Dezember 2015

Elektronische Patientenakte

Meine Mission im Moment?

 Ich bin mitten im Arztwechsel. Das heißt, neuer Doc, viel Gesprächsbedarf, eine Menge Fakten, die über den Tisch geschoben werden müssen.

Die Frage: Wie mache ich das in budgetierter Zeit von 15 Minuten?

Erklär mal zehn Jahre Multiple Sklerose in 10 Minuten und versuche in den anderen fünf Kontakt mit dem Mediziner zu kriegen und herauszufinden, ob eine Zusammenarbeit mit ihm möglich ist. Ganz ehrlich? Schwere Mission und fast unmöglich.

MS kann man nicht mal eben so erklären. Das Leben mit MS ist anders, man tickt anders und jeder hat andere Bedürfnisse, Fragen und Beschwerden. Und um Fragen von Patienten gut beantworten zu können, braucht jeder Arzt eine gute und umfassende Info.

Nochmal: in kurzer Zeit machbar?

Deshalb war ich auch erfreut zu lesen, dass der Bundestag am 4. Dezember das eHealth Gesetz verabschiedet hat. Hier gehts zum Lesestoff dazu: http://www.bmg.bund.de/ministerium/meldungen/2015/e-health.html 

Allerdings frage ich mich leise ob das wirklich klappt. Wo wir das Thema "eHealth" Gesetz ja nicht erst seit vorgestern sondern seit doch etwas längerer Zeit immer wieder als Diskussionsthema serviert bekommen. Und ich frage mich, was da so lange dauert, wir diskutieren das Thema ja nicht erst seit vorgestern.
Oft hört man, dass sich Patienten verweigern. Ja, kann ich verstehen, es fehlt an Information, die klärt, was Sache ist. Über die Diskussion gab es unzählige Berichte, aber warum so eine Patientenakte, die ich mir wirklich wünsche, nützlich sein kann, da hörte man wenig. Die Aufklärung hakt. Zum anderen diskutiert man den Datenschutz. Das wahrscheinlich bis St. Nimmerlein.

Klar, ein wichtiges Thema, aber ab und an habe ich das Gefühl, dass es auch gerne als Alibi dient. Ich bin in diesem Jahr viel unterwegs gewesen, habe mich mit Fachleuten aus allen Bereichen auch über dieses Thema unterhalten und stellte fest, dass es Wege gäbe. Warum man sie von der Regierungsseite nicht in Augenschein nimmt? Keine Ahnung.

Dabei wäre die Patientenakte wichtig. Ein Beispiel?

Meine Arztwechsel. Anstatt meine Akte einfach durchzuschieben, bin ich derzeit nebenbei damit beschäftigt und entsprechend unterwegs Unterlagen von Ärzten abzuholen und zu Ärzten zu liefern. Einige Praxen sind nämlich nicht einmal in der Lage, eine elektronische Version per Email zu versenden. Dass ein Fax zu lange dauert, leuchtet mir ein, aber ist es wirklich meine Aufgabe, mich darum zu kümmern, dass meine Patientenakte von A nach B kommt? (Übrigens, mein Vorschlag, das ganze in einen Umschlag zu packen und in die Post zu geben wurde von einer Praxis abgelehnt. Die versenden aber gerne Privatrechnungen im Gesamtbetrag von 2,95 Euro gerne per Post. Was mich nach Wirtschaftlichkeitsdenken in Praxen nachsinnen lässt, aber gut.)

Ich schleppe also ganze Ordner durch die Gegend und wenn ich mir die Ordner so ansehe, dann muss ich immer darüber nachdenken, ob die Infos am Ende auch irgendwie gelesen werden. Ich nehme an, dass dem nicht so sein wird, weil dafür auch beim Doc die Zeit irgendwann fehlt.

Die Konsequenz ist: Dass wir immer noch viel mehr reden müssen als nötig. Es kann passieren, dass aufgrund der Papierberge wichtige Infos übersehen werden, die dazu beitragen, mir noch besser zu helfen.

Hätte ich diese Akte in elektronischer Form, wäre der Transport der Info einfacher, ich hätte sie bei mir und könnte sie bei Bedarf jedem Arzt freigeben. Aktuellste Befunde wären sofort abrufbar und könnte ich das Teil entwickeln, hätte ich gerne eine Statusübersicht über meine Krankengeschichte als Funktion im Menü.
Der Arzt könnte sich schneller und besser einen Überblick schaffen und mich wahrscheinlich in manchen Fällen auch besser behandeln. Wir hätten am Ende mehr Zeit für wichtige Punkte, die mich bewegen, könnten verschiedene Aspekte besser klären und ich könnte noch besser entscheiden. Wahrscheinlich müsste ich auch nicht jedes Mal ausführlich selbst in die Recherche gehen, bevor ich entscheide. Bisher waren nämlich immer Lücken in der Information.

Eine elektronische Patientenakte hat für mich einige Vorteile. Bessere Information, hochwertigere Aufklärung, bessere Entscheidung, zufriedene Patientin.
Das wiederum würde für die andere Seite heißen: zufriedene Patientin - effektivere Behandlung - weniger Zusatzkosten und klare Wege.

Spricht doch schon mal dafür. Oder? Wir brauchen eine Patientenakte. Und zwar nicht erst gestern.

Jetzt kommts drauf an wie die Zusammenarbeit klappt. Als ich bei "smart meets safe" in Berlin war, habe ich einen Mitarbeiter von Gematik gefragt, was wir Patienten tun könnten, um das Vorhaben zu unterstützen, aber leider keine Antwort bekommen. Ich fand das schade, denn über die Aufgabe zu reden und sich leise zu beklagen, war auch drin.

Hier also nochmal: Können wir Patienten die erfolgreiche Umsetzung unterstützen? Wenn ja: Wie?

Die Verabschiedung des Gesetzes macht mir Hoffnung, aber ehrlich gesagt zweifle ich an der Pünktlichkeit der Umsetzung und der Einhaltung der avisierten Termine.

Was denkt Ihr über die elektronische Patientenakte?

Grübelnde Grüße
Birgit

Kommentare:

  1. Für mich ein absolute Muss und mir vollkommen unverständlich, warum wir zwar Leute auf den Mond kriegen, aber nicht gebacken bekommen, wichtige Krankheitsdaten gebündelt pro Patient zur Verfügung zu stellen.

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  2. Tja, der Mondraketenabschuss ist auch einfacher. :-) Scheint es. Schade ist, dass man offensichtlich auf Fragen von Patienten wenig reagiert. Und ich frage mich, ob Patienten in den Diskussionsrunden einen Platz haben, um aktiv mitzugestalten. Das wäre nämlich wünschenswert.

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