Dienstag, 5. April 2016

Frühling und ich .... Schmetterlinge im Bauch ....

Also, was ging es mir übel. Ich habe nicht so viel drüber geschrieben, weil mir wirklich die Power fehlte, drüber zu reden.

Die letzten Wochen waren irgendwie seltsam. Ich fühlte mich ausgelutscht wie so ein oller Lolli, der geschmacklos in der Ecke hängt und so vor sich hin überlebt. Ganz ehrlich, ich war so ein bisschen depressiv und habe kurzfristig überlegt, einen Termin bei meiner Psychologin anzuleiern. Sogar das Herzblatt wäre dafür gewesen.

Dazu kam, dass ich wenig rauskam, mich selbst nicht mehr spürte und all das Gute, was mir so passierte, es geht ja immer weiter, nicht mehr richtig als Anlass zur Freude nehmen konnte und mich auch nicht mehr freute. Egal was war. Ungut das. Echt jetzt. Das war nicht ich. Ich habe weiter gemacht, irgendwie funktioniert und das Niveau gehalten. Das was aber in mir passierte, haben nur wenige mitgekriegt. Wollte ich so.
Es war mir wichtig, erst mal mit mir klar zu kommen. Wenn man so etwas erzählt, kommen immer so tolle Ratschläge, die mehr weh tun als dass sie helfen.


Nur Herzblatt war involviert und ja, er hat ab und an ganz schön was aushalten müssen, der arme Kerl. Dafür liebe ich ihn. Auch. Weil er mir nie von der Seite weicht, mir aber auch meine Ruhe lässt und einfach da ist, ohne sich aufzudrängen oder derlei. Er macht mir Vorschläge zu Spaziergängen oder anderen Dingen, von denen er denkt, dass es mir Spaß machen könnte, drängt mich aber nie, sondern akzeptiert ein "mag ich nicht" genauso.

Dazu kamen fiese Schlafprobleme. Gemein wenn man am Nachmittag im Nebel von Frau Fatigue eingehüllt da sitzt und müde ist und am Abend im Bett liegt und ab 2 oder 3 Uhr morgens den Tag startet.

Also kämpfte ich die letzten Wochen um mich, meine Ruhe, meine Entspanntheit und meinen Schlaf.

Hab ich wieder. Als jetzt langsam der Frühling daher stapfte und ich die ersten grünen Knospen sah und wahrnahm, dass Genosse Winter endlich seinen Abgang gemacht hat, kam auch ich wieder zum Vorschein. Das graue Etwas, in das ich mich über Wochen gehüllt sah, hat sich aufgelöst und was bin ich froh.
Nicht nett, wenn man versucht und versucht und versucht, aber eben nur im Dauergrau da sitzt und nicht wirklich in die Puschen kommt und ganz genau weiß, dass man das nicht ist. Das zieht einen nur noch mehr ins Loch. Echt jetzt. Und man findet sich selbst zum Kotzen.



Seit die Sonne scheint, es nach Blumen riecht und ich wieder zur Ruhe kommen konnte, weil ich einfach viele Pausen machte und versuchte, mir immer wieder selbst gut zu tun, hat sich viel getan. Meinen Schlaf habe ich einigermaßen zurück. Mit Melatonintabletten für eine Weile, Osteopathie und  der Reduktion von Stress und pünktlichem Ins Bett gehen, geht es auch hier wieder aufwärts. Mit der Nebenwirkung, dass ich pünktlich um 22.00 Uhr so müde bin, dass ich freiwillig abdampfe.
Langsam kommen wieder die alten Birgitpowerkräfte zum Vorschein, ich habe wieder Lust, Neues zu tun und Spaß an dem, was ich tue. Meine Inspiration ist wieder da und meine Kreativität kommt wieder zum Vorschein. Das macht mich dankbar und froh. Ich war also nur zeitweise weg und es ist gut zu wissen.


Und ich habe mein Ass im Ärmel nicht gebraucht. Das war mein neuer Allgemeinarzt, der auch Naturheilkunde macht und schon einen Plan für diese Situationen im Schub hat. Weil ich damit nicht alleine bin. Hier im Umkreis, so hat mir auch der Physio bestätigt, hat fast jeder mit MS solche Flauten durchzustehen im Moment. Gut, ich hätte das nicht gebraucht, aber gegen unsichtbare Erscheinungen kann man sich nicht wehren. Sie kommen und dann braucht man einen Plan.

Wie gesagt, Blümchen sprießen, wie die Sommersprossen auf meiner Nase und ich fühle mich besser. Noch brauche ich einen Moment, den ich mit Sonnenbädern fülle, mit Dingen, die mir gut tun, um komplett zu werden, aber es ist da, das Gefühl, das mir Schmetterlinge im Bauch macht und Lust aufs Leben.

Gehts Euch gut?

Birgit




Kommentare:

  1. Ausgelutscht wie ein Lolli in der Ecke? Was für ein grandios guter Vergleich...(direkt noch draufgespuckt....hüstel...) Ehrlich gesagt bin ich auch seit Wochen schlapp und müde, schnell erschöpft und freue mich irrsinnig auf den Sommer - auf die Sonne!! Fast ein wenig entlastend zu hören, dass es einem nicht alleine so geht....Vielleicht auch doch aufgrund der laaangen Durststrecke was das Wetter angeht, wie ich finde....Wünsche Dir weiterhin alles Liebe und Gute!! - Auf dass es weiter bergauf geht! Mit Gruß Nicole

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    1. Liebe Birgit,

      ich habe gestern Deinen Blog zum ersten Mal gelesen und war dann auch gleich auf Living Like You. Super, dass es beides gibt. Ich bin vor einem Jahr mit Mitte 30 diagnostiziert worden und freue mich sehr, in Dir hier im Netz eine MS-Freundin zu finden, die mit Mut und Herz und Bums an diese Herausforderung herangeht. Mir ging es auch gerade ganz schön mies, irgendwie wollte sich der Frühjahrsblues gar nicht wieder legen und irgendwie war die Last der Krankheit allgegenwärtig. Also, ich schließe mich Nicole an und wünsche alles Gute und viel Gesundheit! Merle

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