Dienstag, 22. April 2014

Aufklärung - Über Schönheit, Sichtbarkeit und das Blödeln!

"Oh, Sie klingen aber noch fröhlich Frau Bauer. Und das bei Ihrer Diagnose!"
Ich stutzte. Hä? Wieso sollte ich nicht fröhlich sein. Dass das mit dem guten Aussehen und dem nicht sichtbaren Vorhandensein von Fräulein Trulla durchaus ein Problem ist, war mir klar. Dass ich mir deshalb noch lange kein Tattoo aufs Hirn kritzeln lasse, um mich als MS Patient zu outen, ist auch klar. Aber das?
"Wie kommen Sie darauf?"
Ich versuchte herauszufinden, ob die gute Frau am anderen Ende der Telefonleitung vielleicht traumatisiert von frustrierten Patienten war, das hätte ich nämlich verstanden.
"Na ja, Sie sind doch so krank, da lacht man doch nicht mehr", kam es zurück.
Hm.


"Denken Sie? Wie krank bin ich denn und wer sagt, dass man als MS Patient nicht mehr lacht?", interessierte ich mich freundlich grinsend.
"Sie haben doch MS!!!!!!!"
"Ja, aber deshalb ist mein Leben nicht vorbei, ich lebe halt anders, aber das ist ok, wo ist das Problem?"

Langsam hatte ich die Faxen dicke. Normalerweise bin ich resilient, aber in dem Fall hatte ich echt die Nase voll. Die ganze Woche war so. Den einen war ich zu schön, den anderen zu krank dafür um schön zu sein und das mit dem Lachen sollte ich mir wohl auch noch überlegen.

"Aber mit MS hat man doch nichts mehr zu lachen!" Arghhhhhhhhhh

Echt jetzt? Habe ich nichts mehr zu lachen? Haben wir als MS Patienten nichts mehr zu lachen? Oder ist es vielleicht so, dass man sich nur schwer vorstellen kann, das man als MSer durchaus noch Spaß hat?

Ich glaube, ich kläre heute auf. :-)

Ja, ich sehe gut aus. Meistens, wird oft von mir behauptet. Und ich mache mich gerne schön, ich mag gerne gute Outfits und habe Spaß an tollen Looks, mag den typischen Mädelskram wie Schuhe und Taschen habe ich besonders gerne. Ich wohne darin. Sie sind meine mobile Zweitwohnung.

Lachen ist bei mir oft der Fall. Ich kann über mich lachen, den Kater, der manchmal komisch maunzend altklug guckend vor mir hockt und mir die Geschichte von der wilden Maus erzählt, über Bücher und Geschichten oder den Typen auf der Autobahn, der mir zeigt, wie schnell seine Potenzorthese geht, bevor wir uns an der Ampel nach der Ausfahrt wieder treffen.

Ja! Ich! Lache!

Und es tut mir gut. Ich lache giggelnd, schmunzle leise und explodiere schallend, wenns nicht mehr geht.Ich gehe dazu übrigens auch nicht in den Keller, sondern lache öffentlich. Übrigens, ich blödle auch gerne mit meinen Freundinnen öffentlicht. Wir können durchaus uncool ablachen. :-)

Aber: nirgendwo steht, dass wir Patienten nicht lachen dürfen. Es ist uns auch nicht verboten worden, gut auszusehen.

Wir haben chronische Erkrankungen. Mit denen müssen wir leben. Aber es ist nicht unsere Pflicht das heulende Elend zu geben, nur weil andere sichtlich Schwierigkeiten haben, zu verstehen, dass wir dennoch vergnügt sind.

Ja, Leben mit MS macht manchmal keinen Spaß. Es gibt Tage, an denen gehe ich im Geiste die Wände hoch, haue der Trulla die Pfanne über den Kopf, dätsche ihre Locken und schlage ihr faule Eier darüber. Ich werde manchmal zur mordlüsternen Rächerin aller MS Patienten und reite auf meinem stolzen Schimmel, der leider ein bisschen hinkt, durch die Prärie und kassiere für jeden Kollegen von Trulla ein Heidengeld, indem ich im meine Knarre unter die Nase halte und ihn ins Gefängnis für Trullas und Trulleriche bringe, wo sie sich in Nebelwesen auflösen und in Flaschen verpackt, dicht verkorkt in eine Rakete verfrachtet an einen unbekannten Planeten in der übernächsten Galaxie geschossen werden.

Aber trotzdem: Das Leben mit MS kann auch spaßig sein, es darf gelacht werden und wenn man sich schick macht, ist das auch erlaubt.

Weil wir neben Patienten auch Menschen sind. Mit ganz normalen Bedürfnissen. Und normale Menschen lachen, ziehen sich schön an und haben Spaß. Und wenn die das dürfen und nicht darauf angesprochen werden weil sie schick aussehen und lachen, dann dürfen wir das auch. Und erst recht! Oder?

Lachende Grüße und eine gute Woche!
Birgit


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