Dienstag, 9. Juni 2015

Der Lerneffekt ....

Bildquelle: pixabay.com
Gut, der Schub ist noch nicht so ganz durch aber ich bin auf dem Weg und das gar nicht so schlecht. Meine Laufstrecke hat sich enorm verbessert und der Seppl ist mit dem Kollegen durch das Herzblatt im Keller verschwunden. Ganz hinten. Dort soll er einstauben. Meinethalben.

Fräulein Trulla ist noch nicht ganz ruhig, sie meint, sich immer noch bemerkbar machen zu müssen. Was auch durch die Hitze bedingt ist. Die letzten Tage war das gar nicht so einfach, aber da ich ein kühles Haus habe und Ventilatoren geht es. Mit viel Wasser und mehr Pausen halt. (Siehe auch Uhthoff Phänomen) .

In den letzten  Wochen habe ich einige Dinge gelernt, die mir heute sehr wertvoll erscheinen. Für die Zukunft ....
Als mir die MS die Füße quasi unterm Hintern weggerissen hat, wurde mir schon für einen Moment ein bisschen flau, danach bekam ich ein wenig Panik. Was, wenn da auf einmal das nicht mehr klappt mit dem Laufen?

Ich habe gelernt, dass die Welt in dem Moment nicht stehenbleibt, sondern sich weiter dreht. Schlaue Weisheit was? :-) Im Ernst, man denkt in solchen Momenten wirklich, dass alles zum Stillstand kommt. Klar ist, umtauschen kann ich Fräulein Trulla nicht, ich hab das olle Biest an der Backe. Und mit ihr auch die ganzen Dinge, die mit den Schüben eben passieren.

Ich war auch nur kurz panisch. Zum einen war ich beschäftigt mit meinen Jobs und zum anderen hatte ich auch irgendwie keine Lust, länger zu zaudern oder mich zu bemitleiden. Es musste was passieren. Also entwickelte ich schnell einen Plan, der mich wieder mobil machte. Ich habe gelernt, dass ich mir schon vertrauen kann. Dass ich eigentlich total verlässlich für mich selbst bin und gut für mich sorgen kann.

Allerdings habe ich auch gelernt, auf andere zu vertrauen, ihnen zu erlauben, mich zu unterstützen. Das ist gar nicht so einfach. Im ersten Moment. Bis ich verstand, dass es überhaupt kein Problem ist, sondern eher lustig. Und angenehm. Es hilft, von A nach B zu kommen und das ohne sich zu sehr anzustrengen. Es gibt diese Unterstützung für Menschen wie mich und viele andere, die eben auch in der Situation sind, nicht laufen zu können oder eben nur eingeschränkt in der Lage sind, laufen zu können.

Was ich auch gelernt habe, ist Ignoranz. Kaum läuft man schlecht, ist man besoffen, das wissen wir. Oder auf Droge. Aber es gibt auch noch andere Menschen, die einem dumme Sprüche drücken. Ich habe mir angewöhnt, sie nicht mehr zu hören. Es wird mir zu viel, meine Energie dafür zu verbrauchen, diesen Zeitgenossen eine Info zu geben, was los ist. Wenn jemand dumm daherschwallt, muss er damit leben, von mir schlicht keine Antwort zu bekommen.

Noch was? Ja, ich weiß jetzt, dass Langsamkeit manchmal besser ist, Geduld hab ich nicht gelernt (lern ich wohl auch nicht mehr) , dass so manche Arzthelferin ein gewisses Aufklärungpotenzial hat, man dem Arzt oft genug auch klare Anweisungen und Fragen stellen muss, Verhandlungsgeschick braucht (hätte ich aber drauf verzichten können), ich weiß  dass eine Pause mehr nicht schadet und nicht weh tut und akzeptiert wird, weiß ich jetzt auch. Ich weiß, dass mein System klappt, meine Jobs nicht unter der MS leiden und ich auch nicht. Mir ist klar, dass ich auch wenn mir die Füße irgendwann den Dienst versagen, doch weiterleben kann und das nicht so übel. Es ist nötig, etwas zu ändern, das erfordert Mut und Energie, aber letztlich ist es doch so, dass diese Änderungen uns in neue Gefilde schicken, deren Eroberung nicht schädlich ist, sondern gut für uns. Langfristig.

Für mich war diese Erfahrung etwas, was ich so schnell nicht mehr brauche, um ehrlich zu sein. Aber sollte es wieder passieren, dann habe ich Lösungen und weiß, dass ich trotzdem weitermachen kann. Und das ist gut so.

Und Ihr so?

Was habt Ihr so aus Euren Schüben mitgenommen an Weisheiten?

Viele Grüße
Birgit

Bild: Pixabay.com 

Kommentare:

  1. Liebe Birgit, sehr gut geschrieben! Hut ab, dass Du es geschafft hast duen Sprüchen mit Ignoranz zu begegnen! Das muss ich wohl nach wie vor noch lernen...hüstel......Drück Dir die Daumen, dass es Deinen Beinen auf Dauer zu langweilig wird so inaktiv zu sein!!! LG Nicole

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    1. Grins ... liebe Nicole, na ja, sagen wir es so, Ignoranz braucht Zeit, das musste ich auch eine ganze Weile üben, weil es einen ja doch juckt und berührt. Ich glaube, wir alle, die wir mit MS durch die Gegend laufen, haben zwei Möglichkeiten. Ich nutze beide. Ich kann wahnsinnig laut werden, was ich meist auf Kongressen oder Konferenzen tue, wenn es um die Stimme oder die Perspektive von Patienten geht und da ich mittlerweile viele sehr wertvolle Seminare habe, die mir auch das Wissen derer verschafften, die eben auf der anderen Seite sind, kann ich da gut mitreden und verstehen, was geht und auf der anderen Seite kann ich mittlerweile meistens gut ignorieren. Weil es mir am Ende des Tags besser bekommt, als mich aufzuregen. Spart Energie. Und die sollten wir nicht verschwenden. Ganz liebe Grüße! Birgit

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    2. ;-) oh ja liebe Birgit!! Da has DU Recht! Mit der Energie!...Jetzt bräucht ich aber ein bisschen davon um durchzusteigen, WIE ich nächstes mal bitte informiert werde, wenn Du antwortest ......Ich Technikdödel ;-.)....Hoffe Du verträgst die Wärme. LG Nicole

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    3. Gnihihi..... Hi Nicole, also unten recht, gibt es ein kleines Kästchen, daneben steht "Ich möchte Benachrichtigungen erhalten", das klickst du an, sprich du setzt ein Häklein und schon kommt ne Antwort. :-) Die Hitze vertrage ich solala, ich mache viele Auszeiten, halte das Haus kühle und nebenbei gibts längere Aufenthalte im Freibad und dafür mal am Abend ein bisschen was zu tun. Dann geht es. Aber gut ist auch anders mittlerweile, ich warte jetzt auf die Abkühlung. Gehts bei dir? Liebe Grüße, Birgit

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    4. DANKE!!!! Brgit! ....hihi...ich sag ja....ICH und Technik....kicher....ich mach jeztt Häkchen ;-)....Habe Dir geantwortet per gmail auf Deinen Kommentar bei mir und zum aktuelken Thema ;-)...LG Nicole PS Mir geht es im Sommer deutlich besser als im WInter. Glücklicherweise!!! Sonst würden Trulla und ich ernsthaft die schwerste Krise erleben, die sie sich nur vorstellen kann, wenn sie mir noch den Sommer weg nimmt....(HA! Häkchen gesetzt...)

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  2. Liebe Birgit,
    es freut mich, dass du den richtigen Weg für dich gefunden hast. Ich wünsche dir, dass du dabei bleiben kannst und sich die MS bei dir anständig verhält!
    Liebe Grüße und alles Gute
    Katrin

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    1. Liebe Katrin, im Moment scheint es der richtige Weg zu sein. Er ändert sich ab und an, weil das Fräulein Trulla auch gerne die Strategie ändert. Sie zieht sich, Gott sei Dank, immer weiter zurück. Lange Strecken laufen ist zwar noch nicht meins, ich hab lieber Sneakers als andere Schuhe und ich brauche noch mehr Pause und ich hab immer noch extreme neuropathische Störungen (An meinem Bauch wächst ein Kürbis, also, es fühlt sich so an, ist aber nichts) aber es wird. Und mein Urlaub naht auch, sodass ich zwei Wochen total abhängen kann. Das wird helfen und gut tun. Aber ich bin froh, dass es schon so ist, könnte echt schlimmer sein. Also mache ich weiter. Liebe Grüße und nen Knuddel! Birgit

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  3. Hallo Birgit,
    es ist für mich immer wieder motivierend, Deine Beiträge zu lesen. Bei mir steht im Moment als Lehrziel offensichtlich "Geduld haben" auf dem Lehrprogramm. Das fällt mir sehr schwer.
    Liebe Grüße und Danke!
    Mara

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  4. Liebe Mara, vielen Dank für dein Lob. Das mit der Geduld ist so eine Sache. Nicht einfach. Und manchmal übermannt es mich auch, dann kann ich ziemlich ungeduldig werden und auch sauer. Ich drück dir die Daumen, dass es klappt, ich habe gelernt, dass Geduld manchmal auch Gelassenheit bringt, auch wenn ich es nicht immer schaffe. Aber ich arbeite daran, machen wir zusammen! Liebe Grüße, Birgit

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