Freitag, 7. Februar 2014

Baff und Ameisen ...

Gestern beim Arzt. Er hat mich erstaunt, begeistert und ich bin baff.
Wir hatten ein total gutes Gespräch. Auf einer Augenhöhe und diskutierten über Ameisen. Also die, die über meinen Oberschenkel eilen und mir dieses unangenehme Kribbeln verpassen.
Wie es kam ...
Nachdem ich so ein wenig gar nicht wusste, was ich mit diesem Ameisengedöns anstellen sollte und der Oberschenkel ein wenig taub wurde, hatte ich ja den Termin gemacht, um mal zu klären, ob und wann wir möglicherweise vielleicht ein wenig Kortison zum Einsatz bringen sollten.

Was mich erstaunte: Ich bekam Aufmerksamkeit und Zeit. Das finde ich klasse. Der Mediziner schenkte mir Gehör und testete erst einmal Reflexe, was nicht so nett war, weil damit auch festgestellt wurde, dass mein linkes Bein ein wenig schwächelt und nicht so gut reagiert wie meine rechte Seite. Im Moment. Gefällt uns jetzt weniger. Aber es ist erträglich. Geht noch. Die Betonung liegt auf "geht".

Danach resümierte er. Für Kortison findet er das Geschehnis zu wenig. Wenn man bedenkt, dass ich Kortison nicht gut vertrage und wirklich leide, wenn ich es bekomme, müsse ich gut nachdenken, ob ich mir das jetzt schon geben möchte.

Die Betonung liegt auf möchte. Die Entscheidung lag bei mir und wir erinnern uns an den Beitrag über Shared - Decision - Making, so soll es auch sein.

Ich habe mich nach einigem Nachdenken und Abwägen dazu entschlossen, es erst einmal ohne Kortison zu versuchen. Der Doc und ich sind einer Meinung, im Moment würden wir wohl mit Kanonen auf Spatzen schießen und das wäre wohl etwas überzogen.

Dafür bekam ich aber ein Medikament, das gerade bei diesen Störungen (Polyneuropathisch sagt der Doc) gut hilft und diese "Erscheinung" gut in den Griff bekommt. Dazu hat er mich gleich zu Vitamin D verdonnert, was ich sinnvoll finde. Dazu bekam ich quasi das mündlich das Rezept, mir ein freies Wochenende zu gönnen, damit ich nächste Woche fit bin und die Ameisen gut loswerde. Denn der Stress war ein bissl viel die letzten Wochen und es könnte auch damit zusammen hängen.

Dennoch bin ich positiv drauf. Es sind so viele tolle Sachen passiert, schöne Ereignisse, eine gute Zeit mit Herzblatt und das hilft mir gerade über das kleine Dilemma hinweg. Geholfen hat auch das gute Gespräch mit dem Arzt. Zu wissen, dass wir gemeinsam entscheiden, ich das letzte Wort habe und wir wirklich offen und verständlich miteinander sprechen können, beruhigt mich zudem sehr. Man fühlt sich einfach gut aufgehoben. Und das ist gut so.

Morgen schleppt er mich ins Kino. Das bedeutet Popcorn, Eis und Spaß. Find ich gut.

Wie gehts Euch und was macht Ihr am Wochenende?

Liebe Grüße
Birgit

Kommentare:

  1. Liebe Birgit,

    ich drücke alle Daumen und sonstiges, dass das "Geschehnis" bei zu wenig bleibt und Fräulein Trulla schnell zur Besinnung kommt!

    In Sachen "Sharde Decision" kann ich mich eigentlich bei meiner Frau Neurologin nicht beklagen - ich hatte bisher immer das letzte Wort - ihre Empfehlungen dann aber manchmal sehr eindringlich, so dass ich nach ca. 2,5 jähriger Schubabstinenz nun doch an der Spritze hänge.
    Ist manchmal blöd, weil man immer dran denken muss und viel hört über eventuelle Nebenwirkungen, bei mir aber durchaus gut klappt - kein Flush, keine Dellen, nichts.
    Nicht mal Besorgungskriminalität, da meine Freundin das gleiche Medi spritzt.
    Leider lässt sich das Stossmichziehdich aber auch nicht mehr so richtig weglügen - muss mich ja jeden Tag spritzen - gibt aber mental mehr Sicherheit, da ich zum Angriff bzw Abwehr übergangen bin.
    Ich wünsche Dir, dass Dir bald nur noch reale Ameisen begegnen und einen schönen Vorfrühling!
    Liebe Grüße
    Steffi

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  2. Liebe Steffi,

    danke für die Daumen, die Ameisen werden weniger. Die tägliche Zählung ergibt ein positives Ergebnis. Für mich. :-) Fräulein Trulla fühlt sich wohl unterbeschäftigt oder so. Soll sie stricken lernen oder sich eine Häkelnadel und Wolle kaufen.
    Das mit dem Spritzen ist echt nervig, hatte ich auch schon. Allerdings klappte es nicht so gut, daher ist es abgesetzt. Würde es klappen, würde ich das auch machen, das mit dem Spritzen hat mich aber nie so tangiert, vielleicht weil ich das vor der Diagnose schon mal zwei Jahre täglich machen durfte und es irgendwann halt einfach dazu gehörte. Das wird schon, am Anfang ist es immer eine Umstellung und man findets doof und irgendwann läuft das. Ich drück dir die Daumen!

    Und wünsch dir auch einen schönen Vorfrühling, gestern sah ich erste Frühblüher in den Gärten und hab mich drüber gefreut!

    Birgit

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  3. Hallo Birgit,
    schön zu lesen, daß Du in deinem Mediziner einen richtigen Zuhörer gefunden hast. Habe körperlich schon das Gegenteil erfahre. Zum Glück war mein linker Fuß nicht so schnell, wie die Tür reinkrachte. Nicht auszudenken, wenn die Türklinke meinen 6x operierten Rücken erreicht hätte. Ich lese ab und zu Deine Artikel, weil unsere jüngste Tochter mit 34 Jahren die Diagnose MS gestellt bekam. Ihre Nichte hat es mit 24 Jahren noch schlimmer erwischt. Auch MS.Deine Artikel verkünden für mich immer Neuigkeiten, deshalb bin ich so begierig darauf. Ich selber bin in einer Gemeinschaft von Diabetikern und hier erfährt man Neuigkeiten, die so nicht vermittelt werden. Die Ameisen laufen auch bei mir, bedingt einmal durch Zucker (Neuropathie) und durch Nervenreizung an der Wirbelsäule wegen defekter Bandscheiben. Viele Grüße und Kopf hoch von Lothar

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  4. Hallo Lothar, schön, Dich wieder zu lesen. Ich hoffe, dass es dir gut geht. Das mit den Ärzten ist so eine Sache und ich bin sehr dankbar endlich auf einer Augenhöhe sprechen zu können und auch darum, dass meine Entscheidungen so akzeptiert werden, wie ich sie treffe. Das mit der Neuropathie geht wieder, ich bin froh, weil es sich sehr seltsam anfühlte. Allerdings bekam ich gute Medis dafür, die gut geholfen haben. Das haben MSer und Diabetiker gemeinsam. :-) Ich freue mich, wenn du wieder reinschaust und mal erzählst, wie es Euch geht! Viele Grüße, Birgit

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