Donnerstag, 2. November 2023

Aufgeben ist eine Option!


Eine der so genannten Durchhaltefloskeln wenn es einem schlecht geht, ist die, die sagt, dass aufgeben keine Option wäre. 

Wirklich? Ich hörte das schon ganz oft und am Anfang war ich genervt. Warum ist Aufgeben keine Option? 

So gesehen, der Satz an sich ist keine Option. Er ist demotivierend und obwohl er sicher gut gemeint um die Ecke kommt, kommt er lange nicht gut an. Weil er nochmal nachschlägt. In einem Moment in dem man ohnehin schon unten ist. Ganz unten. 

Vor einer Weile wurde ich gefragt, ob ich nie aufgeben wollen würde. 

Und ich stellte wieder eine Gegenfrage: Wer sagt denn, dass ich nie aufgegeben habe? 

Aufgeben gehört genau so zum Leben wie weitermachen oder einen Erfolg zu genießen. Etwas aufzugeben bedeutet nicht zu scheitern. Es bedeutet für mich hinfallen, sich einen blauen Fleck oder eine blutige Nase zu holen. 


Sicher, man bleibt einen Moment liegen, ist ein bisschen aufgelöst, lässt den Tränen freien Lauf, wälzt sich vielleicht ein bisschen in Selbstmitleid, trauert, kreischt hektisch und es könnte auch durchaus sein, dass man sich wie ein Kind vorm Süßigkeitenregal hin und her rollt und die große Protestwelle macht. 

Das ist alles erlaubt finde ich. Das ist sogar nötig, weil man eben auch den Frust loswerden muss, den Ärger irgendwie abschütteln muss bevor man leise wird. Sehr leise. Nachdenklich. 

Vor kurzem bin ich mit etwas gescheitert, man könnte sagen, ich bin grandios gescheitert. Und ich musste etwas aufgeben oder ich musste aufgeben. 


Ich will nicht behaupten, dass mir das oft passiert, aber es passiert und dann muss man klar kommen. Es kam mit einer Email. Am Freitagabend. Ich mein, kein besserer Zeitpunkt oder als jemandem großflächig das Wochenende mit Botschaften zu versauen, die einem klar sagen: Hey das war jetzt der big fail. 

Meine erste Reaktion wäre fast gewesen, das Handy gegen die Wand zu schleudern, weil mich eine dermaßen kalte Wut gepackt hat. Auf diesen Menschen und dessen Botschaft, deren Überbringer er nur war. Ich habe lieber ein Kissen genommen. Das hat auch den schreckhaften Kater eher nicht so erschrocken. 

Dann brach ich in Tränen aus. Heißes, salziges Geheule. Nicht traurig. Sondern unendlich wütend. Mit den Wölfen zum Mond geheult, die Krallen ausgefahren und gar schauerliche Pläne in der Tasche. Ich brauchte einige Tage, um einerseits meine Seele wieder zu befrieden und mich in Selbstmitleid zu wälzen, Schokolade zu futtern bis mir schlecht war, gut, es war abwechselnd mit Chips und ja, ich weiß, dass das nicht gut ist, aber es war ein Krisenfall. Mir hatte jemand etwas angetan, das ich ehrlich gesagt nur schwer nachvollziehen konnte und kann. Aber in dem Moment war die einzige Option: Aufgeben. 

Aber es kommt der Punkt, an dem man ruhiger wird. Die Welt dreht sich weiter und das, was dieses Scheitern quasi gedämmt oder in meinem Fall meine Flamme kurzfristig zum erlöschen gebracht hat, reduzierte sich auf eine Liste von Erkenntnissen, die ich aber gerne anfänglich großartig missachte, hänge ich doch an dem, was da aufzugeben ist. 

Dann kommt meine Resilienz ins Spiel. Sie ist meine geheime Superkraft und ein kleines mächtig gut trainiertes Ding. Sie übernimmt dann kurz und erklärt mir in solchen Fällen, dass dieses Hadern jetzt auch nix hilft, sondern nur Falten macht und wir weiter müssen. Ich weigere mich kurz, wohl wissend, dass es jetzt keine Lösung ist, mich weiter vor der Schokolade zu wälzen und in Protestgeschrei auszuarten. 

Ich gebe auf. Das was da ist und war. Weil es in dem Moment es nicht wert ist, weiter betrachtet zu werden. Weil es Energie verschwendet, die anderswo wesentlich besser nutzt. 

Aufgeben hab ich von der ollen Trulla gelernt. Sie hat mir viel genommen, das ich aufgeben musste. Das ist bei der serienmäßig. Und manchmal ist es eine Option etwas aufzugeben, weil man zuviel Energie in Dinge investiert, die es nicht mehr wert sind. Manchmal, leider auch Menschen. Die, die toxisch sind, aber das ist eine andere Sache. 

Wenn man etwas aufgibt, manchmal auch jemanden, ist das ein Abschied. Einer, der nie leicht fällt, und dieser eine, den ich vor Kurzem fast schon zelebriert habe, tut mir bis heute weh, aber es hilft auch nichts. Abschiede sind zum einen nie einfach, aber, sie schaffen Platz. Platz zum Aufstehen, das, was man aufgab loszulassen und weiter zu machen. Mit einem Plan, gereift aus dem, was man gelernt hat und der Möglichkeit, etwas anders zu machen. 

Birgit 


Text: Birgit Bauer / Manufaktur für Antworten UG

Bilder: pixabay.com 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen